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Ziel: 2023 Ratsversammlung Itzehoe
Samstag, 16. Oktober 2021 | Geschrieben von: msallach

Baugebiete ausweisen?

Vielen Dank für eure Anfragen bezüglich der möglichen Baugebiete in Itzehoe.

Das Thema Bebauung bewegt uns Grüne und mich immer wieder besonders.

Bezüglich Itzehoe stehen uns Politikern zumindest aktuelle Studien wie das „Interkommunale Wohnentwicklungskonzept für die Region Itzehoe“ aus dem Jahr 2020 zur Verfügung. Danach wären in Itzehoe kurzfristig 128 und langfristig bis zu 2175 Wohneinheiten (WE) aktivierbar. Davon sind allerdings 1189 Einheiten nur unter erheblichem Aufwand möglich. Wir besitzen also ein Wohnraumpotenzial von etwa 1000 Wohneinheiten.
Dieses Potenzial für mögliche neue Einwohnerinnen und Einwohner muss natürlich nicht ausgeschöpft werden.

Mich bewegt allerdings zunehmend die Frage, wie Itzehoe damit umgehen wird, sollte das Hochhaus in der Brückenstraße (am Holstein Center) einmal saniert oder erneuert werden müssen. Ich weiß noch nicht abzuschätzen, wie lange dieses Gebäude noch sicher bewohnbar sein kann. Wohin können die vielen Mieter*innen dann umziehen?

Wie viele Wohnungen braucht Itzehoe denn eigentlich neu? Hierzu wurde in der oben genannten Untersuchung Schätzungen auf Grundlage der Einwohnermeldedaten von 2019 abgegeben. Danach werden in der Region Itzehoe bis zum Jahr 2030 ca. 1300 neue Wohnungen benötigt. Auf das Stadtgebiet Itzehoe fallen jedoch nur ca. 560 WE.

Im Jahr 2019 hat die Stadt mögliche Flächen für Wohnbebauung erfasst und Prioritäten vorgeschlagen, die sich im Wesentlich an der Realisierbarkeit aufgrund von Eigentumsverhältnissen ergeben. Darunter fallen auch die Gebiete in Pünstorf und der ISC Sportplatz Suder Höhe, die derzeit heftig diskutiert werden.

Die Beschlüsse über die Aufstellung von Bebauungsplänen werden im Stadtentwicklungsausschuss beraten und durch die Ratsversammlung beschlossen. Die Verwaltung, somit auch ich als möglicher Bürgermeister, hat diese Beschlüsse dann fristgerecht umzusetzen. Trotzdem hat die Verwaltung Einfluss durch die Vorbereitung der Beschlüsse. Als Bürgermeister kann man Alternativen ausarbeiten lassen und die politische Entscheidungsfindung ausweiten. Wenn es bessere Lösungen gibt, als die vorgeschlagenen, dann müssen diese rechtzeitig in die Ausschüsse gelangen.
Eine Rücknahme von Beschlüssen kann lediglich die Ratsversammlung oder ein Gericht bewirken.

Wie sollten wir aus meiner Sicht bei der Ausweisung von Baugebieten in Itzehoe vorgehen?

  1. Nur neu bauen, wenn auch absehbar Bedarf besteht. Dazu dienen aktuelle Gutachten zur Entscheidungsfindung. Meinungen und Wunschdenken haben dabei keinen Platz.

  2. Vorhandene Baulücken und leerstehende Gebäude für platzsparende, versiegelungsarme Bauweise verwenden.

  3. Vorhandene Gebäude aufstocken. Dies kann zum Beispiel bei Gewerbeobjekten wirtschaftlich sinnvoll zusätzlichen Wohnraum schaffen.

  4. Vermeiden von Einfamilienhäusern zugunsten von Mehrfamilienhäusern. Dadurch lässt sich knappe Fläche besser nutzen.

  5. Teilen von zu großen Wohnungen oder Häusern um mehr Wohneinheiten ohne zusätzlichen Flächenbedarf zu gewinnen.

  6. Baugebiete intelligent planen und Quartierslösungen anstreben.

In wie weit sich die Stadt durchringen kann, den Wohnungsbau zunehmend gemeinwohlorientiert zu fördern kann ich noch nicht einschätzen. Für mich hat die Form des genossenschftlichen Bauens und Wohnens großen Reiz. Die Genossen wohnen als Mieter in ihren eigenen Wohnungen und bestimmen in Selbstverwaltung ihre soziale Umgebung. Als Stadt Itzehoe kann man solche Genossenschaften mit gründen und nach Fertigstellung die städtischen Anteile veräußern.

Als Letztes lassen Sie mich noch einige Worte zum intelligenten Wohnungsbau nennen.
Alle Neubauten sollen ökologischen, klimaneutralen Prinzipien unterliegen. Gemeinschaftliche Nutzung ( z.B. Mobilität, Gemeinschaftsräume, Waschzentren,...) sollte den Bedarf an Individualverkehr oder allgemein den Ressourcenbedarf reduzieren. Verkehrsflächen stehen nicht vordergründig dem Autoverkehr sondern den Menschen zur Verfügung. Die Flächen um die Gebäude müssten für die Anwohner*innen zur Verfügung stehen und die natürliche Versickerung von Regenwasser zulassen. Ein möglichst großer Anteil an Wohnungen sollen barrierefrei sein und eine ausreichende Anzahl für Mieter mit niedrigen Einkommen zur Verfügung stehen.

Die Wunschliste ist lang, die Anforderungen sind groß und alle Planungen bedürfen der aktiven Beteiligung der Betroffenen Bürgerinnen und Bürger.

Ihr Manfred Sallach

Itzehoe, eine Stadt für die Menschen


Manfred Sallach

Manfred Sallach

Meine Familie und ich leben seit über zwanzig Jahren im Kreis Steinburg. Jetzt in Itzehoe. Ich bin politisch bei den Grünen aktiv, arbeite hauptsächlich als Lehrer und engagiere mich für Entwicklungsarbeit zusammen mit dem SES Bonn. Zusätzlich pflege ich Partnerschaften zu Tansania um die dortige Entwicklung zu unterstützen. Meine Interessen sind der Energiewandel und damit auch die Elektromobilität.